Teil 3 Was passiert, wenn Stress nicht aufhört

Veröffentlicht am 22. Februar 2026 um 10:30

 

Im zweiten Teil ging es darum, wie Stress im Körper wirkt. Kurzfristiger Stress gehört zum Leben, damit kann ein Nervensystem umgehen. Schwieriger wird es, wenn Stress im Außen und im Inneren nicht mehr endet.

 

Wenn Stress dauerhaft wirkt, verändert sich etwas.


Diese Veränderung tritt nicht plötzlich ein, sondern geschieht schrittweise, oft fast unmerklich.

Das Nervensystem bleibt länger aktiviert und die Erholungsphasen werden kürzer. Irgendwann reicht die Zeit nicht mehr aus, damit der Körper vollständig zurückfinden kann.

Stress wird dann nicht mehr zu einer vorübergehenden Phase, sondern zu einem Zustand.

 

Foto: Privat

 

Wenn Aktivierung zum Normalzustand wird

 

Der Körper ist darauf ausgelegt, zwischen Aktivierung und Erholung zu wechseln. Bei anhaltender Belastung verschiebt sich jedoch dieses Gleichgewicht langsam.

 

Aktivierung wird häufiger - Erholung wird seltener.

 

Das Nervensystem arbeitet zunehmend in einem Hintergrundmodus von Alarmbereitschaft.

Viele Menschen spüren das nicht sofort. Sie funktionieren weiter, oft sogar lange sehr gut. Doch im Hintergrund steigt der Energieverbrauch.

Der Körper muss immer mehr leisten, um stabil zu bleiben.

 

 

Stress verbraucht Ressourcen

 

Stress bedeutet nicht nur Anspannung, sondern auch Verbrauch.

Der Körper benötigt unter Stress mehr

Energie

Mineralstoffe

Vitamine

Eiweißbausteine

 

Diese Stoffe werden gebraucht für

Energieproduktion

Reparaturprozesse

Hormonbildung

Botenstoffe im Gehirn

 

Wenn Stress anhält, steigt der Bedarf, doch die Versorgung bleibt oft gleich, oder wird sogar schlechter.

Langsam entsteht ein Ungleichgewicht.

 

 

Der Darm reagiert besonders empfindlich auf Dauerstress,

denn er ist nicht nur für Verdauung zuständig.

 

Der Darm entscheidet auch darüber, welche Nährstoffe dem Körper überhaupt zur Verfügung stehen. Unter Stress verändert sich die Darmfunktion häufig. Die Verdauung gehört zu den Funktionen, die innerhalb der Stressreaktion weniger Priorität bekommen.

 

Vielleicht kennst du das auch:

Manchmal gibt Essen Energie und manchmal belastet es eher.
Man wird müde, der Bauch drückt oder reagiert empfindlicher als früher.

 

Der Magen reagiert mit Schmerzen oder Übersäuerung, im Darm bilden sich viele Gase, und die Verdauung wird wechselhaft. Plötzlich treten Unverträglichkeiten auf. Oft werden diese Beschwerden als getrennte Probleme betrachtet. Dabei können sie Teil derselben Stressreaktion sein. Wenn der Darm schlechter arbeitet, gelangen weniger Nährstoffe in den Körper.

Auch dann, wenn die Ernährung eigentlich ausreichend ist.

 

 

Wenn Energieproduktion schwieriger wird, dann kommt oft das Gefühl: Früher ging vieles leichter, heute braucht alles mehr Kraft. Erholung dauert länger und kleine Dinge erschöpfen unverhältnismäßig.

 

Jede Zelle des Körpers benötigt Energie. Diese Energie wird in kleinen Zellbestandteilen erzeugt. Wenn ausreichend Nährstoffe vorhanden sind, funktioniert diese Energieproduktion meist zuverlässig. Doch bei anhaltendem Stress kann sich das verändern. Der Bedarf steigt, während die Versorgung sinkt.

Die Energieproduktion wird schwieriger.

 

Der Körper beginnt gewissermaßen zu hungern, obwohl wir Nahrung zu uns nehmen. Die Nährstoffe kommen jedoch nicht mehr in ausreichender Menge in den Zellen an.

Hunger bedeutet Stress. Der Körper beginnt zu sparen.

Das ist kein bewusster Prozess, sondern geschieht automatisch. Der Körper priorisiert die wichtigsten Funktionen. Andere Bereiche werden reduziert.

Viele Menschen erleben das als schnelleres Erschöpfen, geringere Belastbarkeit und längere Erholungszeiten. Nicht weil der Körper schwächer geworden ist, sondern weil er vorsichtiger wirtschaftet.

 

 

Ein weiterer Bereich, der unter Dauerstress leidet, ist die Erholung im Schlaf

 

Vielleicht kennst du das auch: Du bist müde, aber innerlich wach.
Der Körper möchte schlafen, doch der Kopf bleibt aktiv.
Du wachst nachts auf oder fühlst dich morgens nicht wirklich erholt.

 

Erholsamer Schlaf ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass sich das Nervensystem regulieren kann. Aber genau hier gerät das System bei anhaltendem Stress oft aus dem Gleichgewicht.

 

Das Stresshormon Cortisol hält den Körper in Aktivierungsbereitschaft. Kurzfristig ist das sinnvoll. Bleibt der Cortisolspiegel jedoch dauerhaft erhöht, kann er die Bildung des Schlafhormons Melatonin beeinträchtigen.

 

Das System bekommt dann kein klares Signal mehr, dass Nacht wirklich Nacht ist.

 

Der Schlaf wird oberflächlicher und weniger erholsam.

Dadurch fehlen genau die Regenerationsprozesse, die das Nervensystem eigentlich bräuchte, um wieder ins Gleichgewicht zu finden.

 

 

Botenstoffe geraten aus dem Gleichgewicht

 

Der Körper kann das eine ganze Weile kompensieren. Scheinbar funktioniert alles und dann plötzlich nicht mehr.

 

Das Nervensystem arbeitet mit Botenstoffen. Diese Botenstoffe entstehen aus Nährstoffen, zum Beispiel aus Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen.

Wenn diese Stoffe knapp werden, kann sich auch die Botenstoffproduktion verändern.

 

Gedanken, Gefühle und Energie hängen eng damit zusammen. 

Viele Menschen erleben dann zum Beispiel:

  • stärkere Unruhe, oft verbunden mit dauerhaft erhöhten Aktivierungsbotenstoffen wie Adrenalin und Noradrenalin
  • empfindlichere Reaktionen, weil das Nervensystem leichter in Alarmbereitschaft gerät
  • Konzentrationsprobleme, wenn der Fokus-Botenstoff Dopamin nicht mehr stabil verfügbar ist
  • Stimmungsschwankungen, wenn stabilisierende Botenstoffe wie Serotonin nicht ausreichend zur Verfügung stehen
  • wenig erholsamen Schlaf, wenn erhöhtes Cortisol die Bildung des Schlafhormons Melatonin beeinträchtigt

 

Diese Veränderungen wirken oft psychisch, doch sie haben häufig auch eine körperliche Grundlage. Der Mensch ist nicht nervlich schwach,

das System arbeitet die ganze Zeit im Defizit.

 

Grafik erstellt mit Hilfe von ChatGbt

 

Wenn Stress sich selbst verstärkt

Hier entsteht ein wichtiger Punkt:

Stress kann zu einem Kreislauf werden.

Wenn der Verbrauch steigt, die Versorgung schlechter wird kann weniger Energie produziert werden. Weniger Energie bedeutet eine geringere Belastbarkeit und stärkere Stressreaktionen.

Diese stärkeren Stressreaktionen bedeuten wiederum mehr Stress, ohne dass noch mehr Energie zur Kompensation zur Verfügung gestellt werden kann.

 

So kann ein Zustand entstehen, in dem sich Belastung selbst verstärkt.

Nicht weil etwas falsch gemacht wird, sondern weil das System überlastet ist.

 

Kipppunkte

 

Dieser Prozess verläuft selten gleichmäßig. Oft gibt es Punkte, an denen sich etwas deutlich verändert. Oft wirkt das wie ein unerwarteter Einbruch, nachdem manche Menschen lange viel geleistet haben. Meist hat sich die Entwicklung jedoch schon lange vorbereitet.

Ein Kipppunkt bedeutet nicht, dass der Körper versagt. Er bedeutet oft, dass Grenzen erreicht wurden. Der Körper signalisiert dann sehr deutlich, was vorher schon vorhanden war.

Oft sind mehrere Bereiche gleichzeitig beteiligt.

Die Veränderungen hängen miteinander zusammen.

 

Grafik erstellt mit Hilfe von ChatGbt

 

Viele Entwicklungen werden erst sichtbar, wenn ein solcher Kipppunkt erreicht ist. Oft hat sich die Veränderung jedoch schon lange vorbereitet.

 

 

 

Viele Menschen suchen die Ursache dann bei sich selbst.

Sie glauben: „Ich habe etwas falsch gemacht. Ich bin zu empfindlich. Ich bin nicht belastbar genug.“

 

Doch es ist kein persönliches Versagen.

Das Bild trügt.

Der Körper hat lange versucht, Stabilität zu halten und irgendwann war der Aufwand zu groß.

Was wie Schwäche aussieht, ist ein Schutzmechanismus.

Vielleicht ist es ähnlich wie beim Öllämpchen im Auto.

Wenn das Motoröl einen kritischen Punkt erreicht hat, dann leuchtet die Öllampe rot.

An diesem Punkt ist der Autofahrer gut beraten, dass Öl aufzufüllen,

damit der Motor keinen Schaden nimmt.

 

 

Ausblick

 

Wenn wir verstehen, wie Stress zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf werden kann,

entsteht eine wichtige nächste Frage:

 

Kann sich ein solches System auch wieder stabilisieren?

Und wenn ja – wie?

 

Darum wird es im nächsten Teil gehen.

 

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