Yoga mit Anne ist für mich sehr WERTvoll geworden - Mittwochs gehört die Matte mir… meistens. 🐶

Veröffentlicht am 8. September 2026 um 15:13

 

Manchmal sitzt jemand auf meiner Yogamatte und erinnert mich daran,

was ich selbst vergessen habe.

Es ist unsere Beaglehündin Ebby, die mit ihrem Blick und ihrer Haltung sagt:

Du darfst einfach mal innehalten.

 

Ebby liebt meine Yogamatte. Zuweilen setzt sie sich einfach darauf oder legt sich hin und schaut mich an ganz ruhig und selbstverständlich.

Als würde sie sagen: Komm, lass uns Pause machen. Wir machen das gemeinsam.

 

 

Als ich letztes Jahr mit Yoga angefangen habe, wusste ich noch nicht, wie sehr ich diese kleine Erinnerung in meinem hektischen Alltag brauchen würde.

Ich war so beschäftigt damit, den Menschen um mich herum Halt zu geben, dass ich meinen eigenen Halt verloren hatte.

Das vergangene Jahr hat mir viel abverlangt. Als Frau bin ich in vielen Rollen aktiv. Ich bin Mutter, Partnerin, Tochter, Schwester, Pädagogin, Freundin, Zuhörerin, Mitfühlende

… und in den letzten Monaten vor allem diejenige, die einfach funktionierte.

Meine Tochter verlor sich immer mehr selbst, denn sie suchte ihren Platz unter Gleichaltrigen. Sie wollte endlich dazugehören und nahm sich selbst dafür immer mehr zurück. Das Einzige, was ich tun konnte war halten, da sein, aushalten, vertrauen. Ich konnte ihr diesen Weg nicht abnehmen.

Mitten in der Phase hatte mein Mann einen schweren Unfall und plötzliche wurde uns vor Augen geführt, wie zerbrechlich unser Leben sein kann.

Und neben all den Herausforderungen war mein Beruf, in dem ich auch dann Kraft und Aufmerksamkeit schenken wollte, während meine Akkus eigentlich schon ziemlich leer waren.

Ich nehme die Menschen und ihre Geschichten sehr intensiv wahr. Die kleinen Sorgen, die unausgesprochenen Bedürfnisse, die Kinder, die Halt brauchen. Ich wollte für sie alle da sein.

Doch irgendwann sagte mein Körper ziemlich deutlich und schmerzhaft:

Jetzt brauche ich eine Pause.

 

Das Stoppschild habe ich leider übersehen.

Wie ein ICE raste ich vorbei an sämtlichen Warnsignalen. Eigentlich hatte mein Körper längst angefangen, mit mir zu sprechen. Ich spürte ständige Anspannung, Schmerzen, Erschöpfung, aber ich machte weiter.

Mein Bauchgefühl, sonst ein ziemlich zuverlässiges Navigationssystem, war für mich kaum noch erreichbar. Für einen Menschen, der viel denkt, viel fühlt und ständig versucht, Zusammenhänge zu verstehen, war das verunsichernd. Ich spürte zwar, dass etwas nicht stimmte, aber ich fand die Bremse nicht mehr.

 

Genau in dieser Zeit meldete ich mich zu einem neuen Yogakurs an.

  Ich hatte keine großen Erwartungen. Ich wollte mir eine einzige Stunde nur für mich nehmen. Ich wollte mal wieder atmen können, denn das hatte ich in all dem Stress oft vergessen. Natürlich habe ich weiter geatmet, aber meine Atmung war nur noch flach und kurz. Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam fühlte ich mich oft so, als hätte ich den ganzen Vormittag die Luft angehalten - wie beim Tauchen.

Ich freue mich auf diese eine Stunde jeden Mittwoch. Eine Stunde, in der ich nichts organisieren, niemandem helfen und nichts erledigen muss.

Meine erste Yogaeinheit hat etwas in mir gelöst. Auf dem Weg nach Hause konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie liefen einfach. Es waren Tränen der Erleichterung, der Erschöpfung, Tränen über all das, was ich so lange festgehalten hatte.

In mir löste sich ein Knoten und plötzlich war da wieder Raum.

Der Druck ließ nach und ich konnte wieder einmal durchatmen.

Mit diesem Loslassen fand ich langsam auch den Zugang zu meiner Intuition, meinem Bauchgefühl wieder. Der leisen Stimme in mir, die nicht argumentiert und keine langen Erklärungen braucht, sondern einfach weiß:

Das tut mir gut. Das ist jetzt zu viel.

Hier darf ich bleiben. Hier darf ich gehen.

 

 

Yoga ist für mich mehr als Bewegung

Natürlich bewegen wir uns auf der Yogamatte. Wir dehnen, kräftigen, balancieren, spüren Spannung und lassen wieder los. Für mich passiert dabei noch etwas anderes: Ich komme aus meinem Kopf zurück in meinen Körper.

Im Alltag bin ich schnell mit meinen Gedanken schon drei Schritte weiter. Was muss noch erledigt werden? Was braucht dieses Kind? Was steht morgen an? Was könnte passieren? Wie bekomme ich die vielen Termine unter einen Hut?

Auf der Matte gibt es für eine Weile

nur noch diesen einen Moment.

Diese eine Bewegung

Diesen Atemzug

Dieses Gefühl im Körper

 

Ich habe gelernt, meinen Atem wieder wahrzunehmen. Zu merken, wenn er flacher wird, wenn ich die Schultern hochziehe oder irgendwo festhalte. Manchmal reicht inzwischen schon ein bewusster Seufzer im Alltag. Ein paar tiefe Atemzüge. Ein kurzer Moment des Innehaltens.

Das klingt klein.
Für mich ist es das nicht.

 

Eine der wertvollsten Seiten des Yoga ist für mich,

dass ich wieder lerne, mir selbst zuzuhören.

Wieder spüren, was mir guttut

Was brauche ich gerade?

Wie weit möchte ich gehen?

Wo ist es angenehm?

Wo ist meine Grenze?

Kann ich diese Grenze auch respektieren?

Das bleibt nicht auf der Yogamatte. Es verändert auch meinen Alltag.

Ich bemerke früher, wenn ich angespannt bin, spüre, wenn mir etwas zu viel wird. Ich schlafe nach der Yogastunde oft tiefer und erholsamer.

Besonders wichtig für mich: Ich kann wieder besser unterscheiden, was eigentlich zu mir gehört und was ich vielleicht nur von anderen aufnehme.

Denn wenn man viel wahrnimmt und intensiv fühlt,

kann es manchmal schwierig sein,

zwischen den eigenen Gefühlen und denen der Menschen um einen herum zu unterscheiden.

 

Yoga schafft für mich einen kleinen Zwischenraum.

Einen winzigen Moment zwischen dem, was auf mich zukommt, und meiner Reaktion darauf.

Dazwischen liegt manchmal nur ein Atemzug.

Yoga verlangt von mir nicht, perfekt zu sein.

Es gibt kein Das muss ich können.

Kein So sieht das richtig aus.

Ich darf ausprobieren, an meine Grenze kommen, einen Schritt zurückgehen.

Ich darf eine Haltung verändern, wenn mein Körper sagt: Heute nicht.

 

Für mich ist das eine schöne Übung für das ganze Leben. Innehalten, unperfekt sein und die Frage an mich selbstzu stellen:

Was ist für mich gerade richtig?

Darin sehe ich die besondere Kraft von Yoga. Es schenkt mir einen Raum, in dem ich mir selbst wieder begegnen kann, jenseits von Erwartungen, Aufgaben und all den Rollen, die wir im Alltag tragen.

Eine kleine Auszeit vom Müssen.

Ein Zurückkommen zum Sein.

Ein Zuhause in mir selbst

Heute, nach einem Jahr Yoga, ist nicht plötzlich alles leicht.

Natürlich gibt es weiterhin volle Tage, Sorgen, Herausforderungen, Momente, in denen mir alles zu viel wird.

Aber ich habe mein Bauchgefühl und meine Intuition zurückgewonnen. Das Gespür dafür, wann ich weitermachen kann und wann ich eine Pause brauche.

Vor allem das Vertrauen, dass ich nicht immer alles aushalten muss.

Ich darf mich selbst genauso ernst nehmen wie die Menschen, für die ich da bin.

Yoga ist für mich deshalb zu einer Art sicherem Hafen geworden. Ein Ort, an dem ich aufatmen darf, an dem ich nichts leisten muss. Ein Ort, an dem ich mich wieder spüre.

 

Ein Satz von Jigar Gor beschreibt genau das, was ich dabei gelernt habe: “Yoga is not only touching your toes. It is about what you learn on the way down.”

Es geht nicht darum, wie weit ich komme. Es geht darum, was ich auf dem Weg dorthin über mich selbst erfahre. Manchmal ist das die wichtigste Reise überhaupt.

 

Mittwochs gehört die Matte mir. Also … meistens. 🐶

Denn kaum breite ich sie aus, kommt Ebby. Manchmal setzt sie sich mitten darauf, ganz so wie eine Yogameisterin.

Ganz ruhig sitzt sie dann da, schaut mich an und lädt mich ein:

Komm zu mir auf die Matte!

Komm, wir machen das gemeinsam.

 

Ich muss lächeln, weil sie mich auf ihre ganz eigene Art an das erinnert,

was ich auf der Yogamatte wieder gelernt habe:

Ich muss nicht immer funktionieren.

Ich muss nicht immer halten.

Ich muss nicht immer weitermachen.

Ich darf mich hinsetzen.

Ich darf atmen.

Ich darf einfach sein.

Das reicht.

 

https://wertvoll-yoga.de/

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